Tania Skarynkina

© Julia Cimafiejeva

Tania Skarynkina (belarussisch Таня Скарынкіна), geboren 1969 in Smarhon, Belarus, schreibt seismografisch Schwingungen und Erschütterungen des Alltags auf und kreiert einen poetischen Kosmos voller unsentimentaler Zärtlichkeit, Wehmut und Ironie. Ihre russischsprachige Poesie ist von Finesse und Leichtfüßigkeit geprägt. In der Essayistik stellt sich das erzählende Ich, das sich auch hier meist auf Russisch artikuliert, der Polyphonie der direkten Rede ihrer Tanten, Onkel, Cousinen, Nichten, Freundinnen und Nachbarinnen. Skarynkina registriert und dokumentiert damit die Alltagssprache ihrer Umgebung: das Belarussische mit Einsprengseln vom Polnischen und Russischen. Dieser sprachliche Palimpsest weist auf die wechselvolle Geschichte der Stadt Smarhon hin, die nun seit dreißig Jahren im unabhängigen Belarus, nahe der litauischen Grenze liegt. Wo materielle Substanz der Stadt nur von historischen Brüchen und Erinnerungslücken zeugt, findet die Kontinuität ihre Zuflucht in performativen und sprachlichen Alltagsroutinen. Gewissermaßen sind diese geradezu der Ausdruck der belarussischen Kultur – so allgegenwärtig wie missachtet (ihres profanen und ephemeren Charakters wegen). Mit charmantem Understatement verschafft Skarynkina der Alltagsrede Gehör, Form, Wert und Dauer.

Skarynkinas Lyrik wurde ins Englische, Georgische, Hebräische, Italienische, Polnische und Tschechische übersetzt. Sie ist Mitglied des belarussischen PEN-Zentrums sowie Schriftstellerverbandes.

Veröffentlichungen:
Rajcentr („Kreisstadtparadies“). Pfliaŭmbaŭm, 2021.
I vse pobrosali noži („Und alle ließen Messer fallen“). Argo-Risk u.a., 2020.
Bol’šoj Česlav Miloš, malen’kij Ėlvis Presli. Planž, 2020.
A Large Czesław Miłosz With a Dash of Elvis Presley. Scotland Street Press, 2018.
Šmat Česlava Milaša, krychu Elvisa Presli („Viel Czesław Miłosz mit einer Prise Elvis Presley”). Lohvinaŭ, 2015.
Portugal’skie trëchstišija („Portugiesische Terzette“). Ailuros Publishing, 2014.
Kniga dlja čtenija vne pomeščenij i v pomeščenijach („Ein Buch fürs Draußen- und Drinlesen“). Knihazbor, 2013.

Auszeichnungen:
2020: Andrei Bely Preis für Lyrik

Festival-Beiträge

VERSSCHMUGGEL BELARUS – DEUTSCHLAND

⇒ Tickets 3€ | Festivalpass 19€  

Im Fokus des diesjährigen Übersetzungsprojekts VERSschmuggel steht Lyrik aus Belarus. In Anbetracht der aktuellen politischen Situation erscheint es wichtiger denn je, die DichterInnen des Landes im Ausland möglich laut werden zu lassen und bilaterale Beziehungen zu intensivieren – gerade auf anderen Ebenen als der politischen.

Julia CimafiejevaÖzlem Özgül DündarJonis HartmannAndrej ChadanowitschUladzimir LiankievičMaryja MartysievičAndre RudolphDaniela SeelTania SkarynkinaUlf StolterfohtDmitri StrozewUljana Wolf